Fachwissen · Beckenbodenmedizin

DAFNE™ – Multimodale Beckenbodenmedizin

DAFNE™ bezeichnet eine multimodale Plattformarchitektur, bei der vier eigenständige Energie- und Wirkprinzipien softwaregesteuert kombiniert und über unterschiedliche Handstücke appliziert werden. Statt eines einzelnen Wirkmechanismus stehen funktionelle Elektrostimulation, Photobiomodulation, Mikrostromtherapie und Elektroporation als aufeinander abgestimmte Bausteine zur Verfügung.

Für die fachliche Einordnung sind deshalb nicht allein die Einzeltechnologie, sondern deren Kombination, das gewählte Handstück, die Zielstruktur und das jeweilige Behandlungsprogramm entscheidend.

Multimodale Beckenbodenmedizin – DAFNE Systemübersicht

Reine Magnetfeld- oder reine Elektro­stimulations­systeme adressieren jeweils nur eine Wirkebene. Warum die Kombination mehrerer Prinzipien für Ihre Praxis mehr Möglichkeiten schafft →

4 Energieprinzipien EBE™, PDE™, MENS und EPE™ softwaregesteuert in einer Plattform kombiniert
2026 Prospektive DAFNE-Studie im Journal of Clinical Medicine veröffentlicht
Markenrechtlich geschützt EBE™, PDE™ und EPE™ als eigenständige Novavision-Technologiebezeichnungen
Herstellerhintergrund: DAFNE™ ist Teil des Novavision-Technologieportfolios, zu dem auch die DQRF-Radiofrequenzarchitektur zählt. Novavision exportiert nach eigenen Angaben elektromedizinische Systeme in mehr als 25 Länder weltweit. Eine 2026 im Journal of Clinical Medicine veröffentlichte prospektive Studie untersuchte die DAFNE-Plattform bei Frauen mit leichter Beckenorgansenkung und/oder Belastungsinkontinenz. Novavision · Studie ansehen
Multimodale Plattformarchitektur

DAFNE: multimodale Beckenbodenmedizin statt Einzeltechnologie

Klassische Beckenbodensysteme nutzen in der Regel ein einzelnes Wirkprinzip. Das charakteristische Merkmal von DAFNE ist die Kombination von vier eigenständigen, markenrechtlich geschützten Energieprinzipien innerhalb einer Systemarchitektur, die je nach Handstück und Behandlungsprogramm unterschiedlich eingesetzt werden.

EBE™PDE™MENSEPE™

Vier Energieformen, ein Behandlungsziel

Die Besonderheit von DAFNE liegt in der Kombinierbarkeit vier unterschiedlicher Wirkprinzipien über wechselbare Handstücke. EBE™ (Electro Bio Energy) erzeugt konfigurierbare elektrische Wellenformen für funktionelle Elektrostimulation (FES) und transkutane Nervenstimulation (TENS). PDE™ (Photo Dynamic Energy) nutzt vier LED-Wellenlängenbereiche für nicht-thermische Photobiomodulation.

MENS (Microcurrent Electrical Neuromuscular Stimulation) ergänzt das System um subsensorische Mikrostromanwendungen, während EPE™ (ElectroPoration Energy) eine nadelfreie transdermale Wirkstoffapplikation ermöglicht.

Welche Kombination eingesetzt wird, hängt von Indikation, gewähltem Handstück und Behandlungsprogramm ab.

EBE™ ElektrostimulationPDE™ PhotobiomodulationMENS MikrostromEPE™ Elektroporation

Drei ergänzende Bausteine im Systemüberblick

Neben der funktionellen Elektrostimulation (EBE™) und Photobiomodulation (PDE™) stehen je nach Handstück weitere, gezielt einsetzbare Bausteine zur Verfügung.

MENS

Mikrostromtherapie

< 1.000 µA

Subsensorische Stromstärken unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, ergänzend in regenerative und postoperative Konzepte integriert.

EPE™

Elektroporation

nadelfrei

Reversible Erhöhung der Zell­membran­permeabilität zur transdermalen bzw. transmukosalen Wirkstoffaufnahme.

Gas-Therapie

O₂ / CO₂ (extern)

optional

Bei einzelnen externen Applikatoren zuführbar aus externer Quelle. Das System selbst erzeugt oder speichert kein Gas. Die CO₂-Zufuhr kann z. B. über Anika™ aus demselben Technologieportfolio erfolgen.

Wichtig: Welche Kombination der vier Energieprinzipien tatsächlich zum Einsatz kommt, hängt vom gewählten Handstück, der Indikation und dem Behandlungsprogramm ab. Die Handstücke selbst werden auf der Produktseite im Detail beschrieben.

Fachliche Einordnung

Warum DAFNE nicht mit klassischen Einzeltechnologie-Systemen vergleichbar ist

Am Markt verbreitete Beckenbodensysteme setzen meist auf ein einzelnes Wirkprinzip. Die Kombination mehrerer Energieformen in einer Plattform unterscheidet DAFNE strukturell von diesen Einzeltechnologie-Ansätzen.

Systemtyp A

Reine elektromagnetische Muskelstimulation

Adressiert ausschließlich die neuromuskuläre Ebene über ein externes Magnetfeld. Schleimhaut-, Gewebe- oder zelluläre Regenerationsebenen werden technologiebedingt nicht erreicht.

Systemtyp B

Reine intravaginale Elektrostimulation

Fokussiert auf neuromuskuläre Re-Edukation der Beckenbodenmuskulatur über ein einzelnes elektrisches Wirkprinzip, ohne photobiomodulative oder mikrostrombasierte Zusatzebene.

Systemtyp C

Reine vaginale Lasertherapie

Thermisch-ablative oder photothermale Laserenergie (z. B. CO₂/Er:YAG) zur Schleimhautwirkung, ohne neuromuskuläre Elektrostimulations- oder Mikrostromebene. Einordnung dazu in Fachbeitrag Teil 2.

DAFNE™

Kombinierte Multimodalität statt Einzelprinzip

Verbindet neuromuskuläre Elektrostimulation (EBE™) mit Photobiomodulation (PDE™), Mikrostromtherapie (MENS) und optionaler Elektroporation (EPE™) – je nach Handstück einzeln oder kombiniert. Keine der drei genannten Einzeltechnologie-Kategorien deckt diese Kombination ab.

Hinweis zur Einordnung: Diese Gegenüberstellung beschreibt strukturelle Unterschiede der Wirkprinzipien, keine vergleichende Wirksamkeitsaussage gegenüber bestimmten Herstellern oder Produkten. Welches Systemkonzept im Einzelfall geeignet ist, richtet sich nach Indikation, Befund und individueller fachlicher Beratung.

Technologie fachlich einordnen

Vier Ebenen bestimmen die tatsächliche DAFNE-Anwendung

Die reine Technologiebezeichnung reicht für eine fachliche Bewertung nicht aus. DAFNE muss im Zusammenspiel von Handstückwahl, Energiekombination, Sicherheitskonzept und biologischer Zielstruktur betrachtet werden.

01

Handstückwahl

Je nach Anwendungsregion (vaginal, vulvo-vaginal, vulvär, extern) stehen unterschiedliche Handstücke mit jeweils spezifischer Technologiekombination zur Verfügung.

02

Energiekombination

EBE™, PDE™, MENS und EPE™ können je nach Handstück und Programm einzeln oder kombiniert appliziert werden.

03

Sicherheitskonzept

Die BFC™-Funktion (BioFeedback Control) und die patientenindividuellen, 10-mal wiederverwendbaren Applikatoren zählen zum Sicherheitskonzept.

04

Biologische Zielstruktur

Muskulatur, Nerven, Schleimhaut und Zell­membran­permeabilität werden durch unterschiedliche Energieprinzipien jeweils spezifisch adressiert.

Fachliche Logik

Warum eine Kombination mehrerer Wirkprinzipien das Indikationsspektrum erweitert

Ein Einzeltechnologie-System kann naturgemäß nur die biologische Ebene adressieren, für die sein Wirkprinzip ausgelegt ist. Bei DAFNE ergibt sich die Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten aus der Kombinierbarkeit der vier Ebenen:

EBE™

Muskuläre & nervale Ebene

Elektrostimulation wirkt dort, wo Muskelaktivierung und neuromuskuläre Kontrolle im Vordergrund stehen.

PDE™

Zelluläre & Schleimhautebene

Photobiomodulation wirkt dort, wo Gewebequalität, Mikrozirkulation und Zellregeneration im Vordergrund stehen.

MENS

Subsensorische Ebene

Mikrostromtherapie ergänzt dort, wo sanfte, kaum spürbare Reizsetzung gewünscht ist.

EPE™

Transdermale Ebene

Elektroporation wirkt dort, wo eine gezielte Wirkstoffaufnahme ins Gewebe im Vordergrund steht.

Weil diese vier Ebenen einzeln oder kombiniert über verschiedene Handstücke ansprechbar sind, lassen sich funktionelle, schleimhautbezogene und regenerative Fragestellungen innerhalb einer Plattform abdecken – ein Einzeltechnologie-System bleibt dagegen auf seine jeweils eine Ebene beschränkt. Welches Handstück für welche Indikation vorgesehen ist, finden Sie im Detail auf der DAFNE-Produktseite.

Wissenschaftliche Einordnung

DAFNE im wissenschaftlichen und medizinischen Kontext

Für eine fachlich saubere Einordnung wird zwischen DAFNE-spezifischer klinischer Evidenz und der allgemeinen Fachliteratur zu den zugrunde liegenden Wirkprinzipien unterschieden.

DAFNE-spezifisch · 2026

Zwei prospektive klinische Studien

32 Frauen mit leichter Beckenorgansenkung und/oder Belastungsinkontinenz zeigten nach dem Behandlungszyklus in 87,5 % eine subjektive Verbesserung (PMID 41827431). Eine zweite, breiter angelegte Studie zum EVA/DAFNE-System bestätigt dies bei weiteren Becken­boden­funktions­störungen (PMID 41470080).

Wirkprinzip · Elektrostimulation

Konservative Inkontinenztherapie

Systematische Übersichtsarbeiten und randomisiert-kontrollierte Studien ordnen elektrische Stimulationsverfahren als etablierten Bestandteil konservativer Therapiekonzepte bei weiblicher Harninkontinenz ein – von Grundlagenreviews bis zu klinischen Vergleichsstudien. Nicht DAFNE-spezifisch. Quellen ansehen

Wirkprinzip · Photobiomodulation

PBM im urogenitalen Kontext

Wirkprinzipien und klinischer Kenntnisstand zu Photobiomodulation bei genitourinärem Menopausesyndrom sind in einer eigenständigen Analyse zu Wirkmechanismus und aktuellen klinischen Ergebnissen fachlich eingeordnet. Nicht DAFNE-spezifisch. Quelle ansehen

Hinweis zur wissenschaftlichen Einordnung: Die Arbeiten zu Elektrostimulation und Photobiomodulation untersuchen die jeweiligen Wirkprinzipien im Allgemeinen bzw. bei anderen Gerätesystemen, nicht die DAFNE-Plattform selbst. Sie werden zur fachlichen Einordnung der zugrunde liegenden Mechanismen herangezogen, nicht als Wirksamkeitsnachweis für DAFNE im Speziellen. Als DAFNE-spezifische klinische Belege gelten ausschließlich die beiden oben genannten Studien.
Begriffe sauber trennen

EBE, PDE, MENS und EPE erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Für eine fachlich saubere Einordnung sollten die einzelnen Technologien nicht miteinander vermischt werden.

EBE™

Elektrostimulation

Electro Bio Energy erzeugt konfigurierbare elektrische Wellenformen für funktionelle Elektrostimulation und Neuromodulation.

PDE™

Photobiomodulation

Photo Dynamic Energy nutzt vier LED-Wellenlängenbereiche für nicht-thermische zelluläre Signalgebung.

MENS

Mikrostromtherapie

Microcurrent Electrical Neuromuscular Stimulation arbeitet subsensorisch im Mikroamperebereich.

EPE™

Elektroporation

ElectroPoration Energy ermöglicht nadelfreie transdermale und transmukosale Wirkstoffaufnahme.

Fachwissen Beckenbodenmedizin

DAFNE im Kontext der Frauen- und Beckenbodenmedizin vertiefen

Häufigkeit, Versorgungslücke, Marktnachfrage sowie Praxisintegration und wirtschaftliche Tragfähigkeit multimodaler Plattformkonzepte wie DAFNE werden in unserer vierteiligen Fachbeitragsserie eingeordnet.

Patientensicherheit

Sicherheitskonzept: BFC™ (BioFeedback Control)

Die Handstücke sind für den Gebrauch durch eine einzelne Patientin bzw. einen einzelnen Patienten ausgelegt und bis zu 10-mal nutzbar. Zwischen den Sitzungen nimmt die Patientin bzw. der Patient das eigene Handstück mit nach Hause und bringt es zur nächsten Behandlung wieder mit – gefertigt aus biokompatiblen, hypoallergenen und sterilisierbaren Materialien. Die integrierte BFC™-Funktion ermöglicht es, die Energieabgabe unmittelbar zu unterbrechen, falls während der Anwendung Beschwerden auftreten.

Technologie fachlich vertiefen

DAFNE im gesamten Beckenboden- und Evidenzkontext

Die folgenden Intercosmed-Seiten ordnen DAFNE in das größere Spektrum professioneller Beckenbodenmedizin, klinischer Evidenz und medizinisch-funktioneller Anwendungen ein.

Häufige Fragen zu DAFNE

Was bedeutet DAFNE?
DAFNE™ ist eine multimodale Plattform, die vier Energie- und Wirkprinzipien kombiniert: EBE™ (funktionelle Elektrostimulation), PDE™ (Photobiomodulation), MENS (Mikrostromtherapie) und EPE™ (Elektroporation).
Was unterscheidet DAFNE von einem reinen Elektrostimulationsgerät?
Klassische Elektrostimulationsgeräte nutzen in der Regel ein einzelnes Wirkprinzip. DAFNE kombiniert vier unterschiedliche Energieformen über wechselbare Handstücke, die je nach Indikation und Zielstruktur eingesetzt werden können.
Gibt es klinische Studien zu DAFNE?
Ja. Eine 2026 im Journal of Clinical Medicine veröffentlichte prospektive Studie untersuchte 32 Frauen mit leichter Beckenorgansenkung und/oder Belastungsinkontinenz anhand validierter Instrumente (UDI-6, POPDI-6, FSFI-6, Vaginal Health Index).
Was ist BFC™?
BFC™ (BioFeedback Control) ist die integrierte Sicherheitsfunktion, mit der die Energieabgabe bei Bedarf unmittelbar unterbrochen werden kann.
Ersetzt DAFNE die ärztliche Diagnostik?
Nein. Diagnostik, Indikationsstellung und der Ausschluss von Kontraindikationen bleiben Grundlage jeder Anwendung.

Quellennachweis

DAFNE-spezifische und allgemeine Fachquellen

Baruch Y. et al. (2026). Electrotherapy Plus Photobiostimulation for the Treatment of Mild Pelvic Organ Prolapse and Stress Urinary Incontinence. Journal of Clinical Medicine. PMID 41827431 · ↑ zur Einordnung
Baruch Y., Costa C., Barba M., Cola A., Frigerio M. (2025). Feasibility of Multimodal Energy-Based Therapy for Pelvic Floor Disorders. Medicina, 61(12), 2078. PMID 41470080 · ↑ zur Einordnung
Schreiner L. et al. (2013). Electrical stimulation for urinary incontinence in women: a systematic review. International Brazilian Journal of Urology, 39(4), 454–464. PMID 24054395 · ↑ zur Einordnung
Barroso J.C.V. et al. (2004). Transvaginal electrical stimulation in the treatment of urinary incontinence. BJU International, 93(3), 319–323. PMID 14764129 · ↑ zur Einordnung
Murina F. et al. (2008). Transcutaneous electrical nerve stimulation to treat vestibulodynia: A randomised controlled trial. BJOG, 115(9), 1165–1170. PMID 18715435 · ↑ zur Einordnung
Lanzafame R.J., de la Torre S., Leibaschoff G.H. (2019). The rationale for photobiomodulation therapy of vaginal tissue for treatment of genitourinary syndrome of menopause. Photobiomodulation, Photomedicine, and Laser Surgery, 37(7), 395–407. PMID 31210575 · ↑ zur Einordnung
de la Torre S., Miller L.E. (2017). Multimodal vaginal toning for bladder symptoms and quality of life in stress urinary incontinence. International Urogynecology Journal, 28(8), 1201–1207. PubMed Central · ↑ zur Einordnung
Fachlich erstellt und eingeordnet von Beate Scheffler, Dipl.-Biologin (Mikrobiologie)
Intercosmed – Fachberatung für medizinisch-ästhetische und funktionelle Technologien · Stand: September 2026
Technologie verstehen · Systeme richtig einordnen

DAFNE im Kontext Ihrer Praxis oder Einrichtung

Wir betrachten nicht nur den Namen einer Technologie, sondern Wirkprinzip, Energiekombination, Sicherheitskonzept, Evidenz und die konkrete Integration in Ihr Behandlungskonzept.

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